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European Network for 
Academic Steiner Teacher Education 


Aufgaben und Ziele

1.  1. ENASTE ist ein weltweites unabhängiges Netzwerk akademischer Institutionen (1), die Waldorflehrerausbildungsgänge anbieten.

2.  2. Die Mitgliedseinrichtungen von ENASTE verfolgen das Ziel einer wissenschafts-, forschungs- und kunstbasierten Erarbeitung, Entwicklung und Vermittlung der Waldorfpädagogik. Sie tun dies in Form von Tagungen, Kongressen, Publikationen und Kooperationen.

3.  3. Die theoretische Grundlage der Waldorfpädagogik, Anthroposophie, soll in einer kritisch-diskursartigen und produktiven Auseinandersetzung unter Einbeziehung philosophischer, pädagogischer, psychologischer, soziologischer und weiterer Forschungs- und Erkenntnisgebiete aufgearbeitet werden.

4.   4. Unterricht und Erziehung wird als ein künstlerischer Prozess aufgefasst. Zu den Qualifikationen des Lehrerberufes zählen neben fachwissenschaftlichen, methodologischen und diagnostischen Kompetenzen auch spezifische Beobachtungsfähigkeiten und soziale Interaktionsformen. Die Mitgliedseinrichtungen von ENASTE sehen in der Kunst als Ganzes und im künstlerischen Üben im Einzelnen ein geeignetes Schulungsmittel für die Ausbildung einer ausgewogenen professionellen Lehrerpersönlichkeit und für die Entwicklung kunstbasierter Unterrichtsformen.

5.   5. Im Zentrum der pädagogischen Orientierung steht die Idee der freiheitlichen Persönlichkeitsenwicklung in der sozialen Interaktion und auf der Basis demokratischer Werte.

6.   6. Ein friedvolles und verantwortungsbewusstes gesellschaftliches Zusammenleben und ein nachhaltiger respektvoller Umgang mit der natürlichen Welt zählen ebenfalls zu den Kernzielen des pädagogischen Handelns der Mitglieder von ENASTE.

7.   7. Die Mitgliedseinrichtungen von ENASTE lehnen jedwede Form der Zurücksetzung, der Unterdrückung, der Manipulation und der Ungleichbehandlung aufgrund von kulturellen, sozialen, religiösen bzw. biologischen Differenzen ab. Jeder Mensch hat ein Recht auf Erziehung und Bildung als Basis einer freien Entfaltung der Persönlichkeit


1 Und solcher Institutionen, die akademische Standards in ihre Studienprogramme integrieren

 

Besondere Aufgaben

Die Zielsetzungen von ENASTE sind auf mehrere Richtungen hin ausgelegt. Zum einen ist ENASTE bestrebt, eine kontinuierliche Kommunikation zwischen den ENASTE angehörenden Instituten und solchen die eine Akademisierung anstreben zu schaffen, zum anderen diese Institute in Form einer europäischen Plattform wissenschaftsbezogen und bildungspolitisch nach außen hin zu vertreten. 

In der internen Zusammenarbeit geht es darum sich in studienbezogenen Vorhaben gegenseitig zu beraten und die Arbeit der einzelnen Institute dort, wo es sinnvoll erscheint, zu koordinieren. Hierzu gehören die Anerkennung der Abschlüsse untereinander, die Abstimmung curricularer Module, die Qualitätssicherung der Studiengänge sowie die Förderung einer proaktiven Personalentwicklung. 

Neben solcher institutionellen Zusammenarbeit geht es auch darum, Formen neuer Kommunikation für den Austausch von Forschungsarbeiten und deren Dokumentation untereinander zu nutzen. Hier gilt es, deren Forschungsergebnisse auszutauschen und die damit gewonnenen Wissensbestände zu diskutieren und zu verbreiten. Dazu dient eine Datenbank, die ENASTE zur Verfügung stellt. Studierende wie Dozenten von ENASTE-Mitgliedern können sich darüber informieren, welche Themen an welcher Hochschule bearbeitet wurden oder in Arbeit sind. 

Darüber hinaus will ENASTE eine sichtbare und wirksame europäische Plattform im Bereich der Erziehungswissenschaft und der allgemeinen Pädagogik darstellen. Es geht dabei um die bildungspolitische Positionierung und Profilierung der Waldorflehrerausbildung im europäischen Bildungsraum. Die Wahrnehmung der gemeinsamen Arbeit ist ein Kriterium für deren Akzeptanz. Der gemeinsame Auftritt soll die Bedeutung der Leistungen der einzelnen Institute in der äußeren Wahrnehmung signifikant verstärken, das Potential der Waldorfpädagogik stärker zur Geltung bringen und sie mehr und mehr als unverzichtbaren Bestandteil europäischer Bildungsarbeit präsentieren. Für dieses Ziel setzt sich ENASTE auf verschiedene Weise ein: 

Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Einrichtung einer Plattform für die Entwicklung und Durchführung von Referenzmodellen (gemeinsamer) Forschungsprojekte und ihrer Publikation zu. Publikationen, die aktuelle Themen zur Pädagogik unter waldorfpädagogischen Aspekten aufgreifen, sind ein überzeugender Indikator für die Bedeutung der Waldorfpädagogik (Link Waldorfpädagogik studieren). Dieser Arbeit Raum zu geben, sie zu koordinieren und zu fördern ist ein Desiderat, dem sich ENASTE verpflichtet sieht. Eine weitere Aufgabe stellt die Konzeptionierung und Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen mit internationaler universitärer Beteiligung dar (Link zu Kongress 2011 und 2013). 

Eine weitere wichtige Aufgabe von ENASTE besteht darin, Einrichtungen, die sich auf eine akademische Ausrichtung ihrer Ausbildungsangebote vorbereiten oder sich dafür entschieden haben, in rechtlichen, organisatorischen, curricularen, personellen etc. Fragen zu beraten und zu betreuen. .

Entstehung

Anlass und Auftakt zu einer intensivierten akademischen Vernetzungsarbeit auf europäischer Ebene, die schließlich zur Gründung von ENASTE geführt hat, war das vom Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien 2007 einberufene Symposium mit dem Titel „Europäische Vernetzung der Waldorflehrerausbildung – ein neuer Fahrplan“, zu dem alle europäischen Ausbildungseinrichtungen für Waldorfpädagogik eingeladen wurden. Es ging darum, den Status Quo einer jeden Einrichtung festzuhalten, sich Studiengänge gegenseitig vorzustellen, die jeweiligen nationalrechtlichen Rahmenbedingungen zu erklären, Intentionen und Planungen zu erfahren und wenn möglich abzustimmen. Weitere Symposien fanden 2008 in Wien und 2009 in Krems (Donau-Universität) und in Wien statt. Dabei wurde deutlich, dass sich die Waldorfbewegung mit ihren Ausbildungen auf akademischer Ebene ein europapolitisches Profil erarbeiten und eine europäische Konferenz dafür schaffen sollte. 

2009 wurde von allen 27 Beteiligten die sogenannte Krems-Erklärung ausgearbeitet (Link Krems-Erklärung?). In dieser werden erstmals die wesentlichen Intentionen und Ziele einer zukünftigen Zusammenarbeit festgehalten und erste Ansätze zu einer institutionalisierten Form der Zusammenarbeit formuliert. Man kam darin überein – den Leitlinien der von Rudolf Steiner entwickelten Pädagogik verpflichtet – die Waldorfpädagogik in den gesellschaftlichen Kontexten des 21. Jahrhunderts weiter zu entfalten und an der Schaffung eines europäischen Bildungsraumes mitzuarbeiten, die Aus-, Fort- und Weiterbildung der LehrerInnen zu fördern und für die Waldorfpädagogik dem Bologna-Prozess entsprechend gemeinsame europäische Standards auszuarbeiten und in neuen Strukturen der Bildungszusammenarbeit umzusetzen. 

Im Januar 2010 konnte in Krems das sogenannte Krems-Protokoll unterzeichnet werden. Darin werden Maßnahmen zur Europäischen Vernetzung der akademischen (d.i. im Sinne des Bologna-Prozesses) Waldorflehrerbildung formuliert. Es wird zudem die Absicht erklärt, dass sich zu diesem Zweck eine Ständige Konferenz der Bildungsstätten auf Hochschulebene konstituiert. Diese Konferenz soll offen sein für alle Bildungsstätten, die eine Ausbildung im Rahmen des Bologna-Prozesses ausüben oder anstreben. 

Im März 2010 wurden auf der Sitzung in Wien erste formale Strukturen entwickelt und eine Geschäftsordnung erstellt. Der Name der Ständigen Konferenz wurde geändert auf „Europäische Hochschulkonferenz für Waldorfpädagogik“. Im Herbst 2011 wurde die englische Bezeichnung „European Network for Academic Steiner Teacher Education“ (ENASTE) eingeführt. Die Leitung dieser Konferenz hat das Zentrum für Kultur und Pädagogik in Wien für eine Dauer von zwei Jahren übernommen. Es wurde vereinbart, jährlich drei Sitzungen einzuberufen (eintägige und zweitägige Treffen). Die Mitglieder der „Europäischen Hochschulkonferenz“ sind nun diejenigen Einrichtungen, die das Krems-Protokoll unterzeichnet oder sich später dazu erklärt haben. Im Januar 2011 ist das Zentrum für Kultur und Pädagogik erneut mit der Leitung von ENASTE beauftragt worden.